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Uganda

Bildung statt Kinderarbeit

Im Distrikt Busia im Südosten Ugandas wird in vielen kleinen Minen Gold abgebaut. Kinder und Jugendliche müssen hier kräftig mit anpacken, statt dass sie zur Schule gehen. Ihre Familien brauchen das Zusatzeinkommen. So ist der Distrikt trauriger Spitzenreiter bei den Schulabbrechern. Damit sich dies ändert, muss sich die Einkommens- und Lebenssituationen der Familien verbessern.

Erlebt: Aus der Goldmine geholt

Die überall in der grünen Landschaft von kleinen Gruppen gegrabenen tiefen Löcher üben eine grosse Faszination aus – das Klopfen der Steine, das Rattern der Mühlen, das Sieben und Waschen des Sandes – wie ein grosser Abenteuerpark. Und dann natürlich die Faszination des Goldes – die Hoffnung vom ganz grossen Fund! Schon achtjährige fangen an Steine zu schleppen oder Sand zu waschen. Damit kann man etwas Geld verdienen und im nächsten Restaurant den hungrigen Magen füllen, mehr als in der Schule. Aber viele Kinder und Jugendliche enden dann in Alkohol und Drogen – und zu Hause wird der Schulschwänzer mit harten Schlägen empfangen.

David (17) gehörte auch zu ihnen. Da es ihm an jeglicher elterlichen Unterstützung und Zuwendung fehlte, sahen er und seine fünf Geschwister sich gezwungen, in den Goldminen ein Einkommen zu suchen. Er schleppte Steine bediente lärmige Mühlen, wusch den Sand mit Quecksilber ohne sich über die gesundheitlichen Konsequenzen bewusst zu sein. Der Besitzer der Mine bezahlte ihn oft mit goldhaltigen Steinen, welche er dann selber noch von Hand mit einem Mörser zerkleinern musste.

Eines Tages nahm Davids Grossvater ihn mit zum Büro von CaRNaC, wo er in ein Unterstützungsprogramm aufgenommen wurde, das ihm den Schulbesuch ermöglichte. «Ich bekam sehr schnell Freude am Lernen», erzählt David strahlend, «und deshalb entschied ich mich, mich ganz auf meine Zukunft zu konzentrieren und nicht mehr dem schnellen Geld in den Minen nachzurennen.» Auch zu Hause verbesserte sich die Situation nachhaltig: Davids Eltern wurden in nachhaltiger Landwirtschaft ausgebildet und bekamen Saatgut. Sie fahren inzwischen richtig erfolgreiche Ernten ein und können einen Teil davon verkaufen, um Schulgelder zu bezahlen.

Erlebt: Evelyn geht wieder zur Schule

Die Zukunft sah düster aus für Evelyn. Das Mädchen aus dem Busia-Distrikt in Uganda hatte die Schule abgebrochen. Sie schuftete den ganzen Tag in den Goldminen für das tägliche Brot der Familie. Dank der Intervention und Unterstützung von CaRNaC geht Evelyn heute wieder zur Schule. Neben der Sensibilisierung wurde den Eltern diese Entscheidung erleichtert, indem die Schulgebühren übernommen werden. Daneben erhält die Familie Schulungen, wie sie die Erträge auf den Feldern steigern kann. Die vermittelte Methode «Farming God’s Way» (Landwirtschaft im Stil von Gott) baut auf ursprünglichen und ökologischen Grundsätzen auf. Es geht dabei unter anderem um Fruchtfolge, Bodenbedeckung und Verzicht auf Abbrennen.

Heute kann man Evelyn nach der Schule vor dem Haus sitzen und lesen sehen. Fragt man sie, ob sie hungrig zu Bett gehe, strahlen ihre Augen. «Nein!» sagt sie entschieden. «Einerseits erhalten wir in der Schule etwas zu essen, seit auch die Schulen Felder nach Farming God’s Way bewirtschaften. Andererseits reichen unsere Erträge daheim nun auch für zwei Mahlzeiten pro Tag.»

Evelyn ist glücklich und dankbar über die Veränderungen in ihrem Leben. Sie möchte Lehrerin werden, um anderen Mädchen Bildung und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Sie übt bereits heute dafür: Als Mitleiterin in der Sonntagsschule.

Projektinhalt

Das Projekt schützt Kinder vor Ausbeutung und fördert ihre Rechte. Sie sind durch die Arbeit in Goldminen, Strassenhandel oder Kinderprostitution in ihrer Gesundheit und Entwicklung gefährdet. Das Recht der Kinder auf Bildung, eine ausgewogene Ernährung und Sicherheit wird durch dieses Projekt verankert. Dazu arbeitet die Partnerorganisation aktiv mit den Distriktbehörden, den Eltern, mit Schulen, Kirche, Polizei und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Die gesammelten Erfahrungen und entwickelten Methoden werden ab 2019 in einer nächsten Projektphase im Distrikt Namayingo angewandt werden.

Konkret umfasst das Projekt folgende Elemente:

  • Wiedereinschuldung von Kindern, die in Minen arbeiten
  • Kurse für Kinder und Jugendliche, damit sie ihre Rechte kennen und einfordern lernen
  • Sensibilisierung von Eltern, Lehrpersonen und Behörden für die Rechte der Kinder
  • Schulungen der Eltern über alternative Einkommensquellen, z.B. «Farming God's Way»

Dieses Projekt läuft seit Januar 2014 und verzeichnete bisher ermutigende Erfolge. Allein im Jahr 2015 konnten 83 Kinder in die Primarschule, 20 in die Sekundarschule und 10 in die Berufsbildung neu oder wieder integriert werden. 90 dieser Kinder und Jugendlichen sind in der Schule/Berufsbildung geblieben und nicht mehr in die Minen zurückgekehrt. Weiter wurden bisher gut 1‘500 Kinder im Bereich ihrer Rechte und Pflichten geschult und sensibilisiert. Gleichzeitig wurden auch die Lehrkräfte besser ausgebildet in Bezug auf Kinderrechte.

Partnerorganisation

TearFunds Partnerorganisation Children at Risk National Collaboration of Christian Agencies Uganda (CaRNaC) ist ein nationales Netzwerk, führt aber auch eigenständige Programme durch. Seine über 40 Mitgliedsorganisationen engagieren sich für alle stark gefährdeten Kinder.

CaRNaC bietet seinen Mitgliedsorganisationen pädagogische Aus- und Weiterbildung für die Mitarbeitenden, Interessenvertretung gegenüber staatlichen Stellen und Erfahrungen mit kontextspezifischen, innovativen Arbeitsansätzen.

So stärkt CaRNaC die Kompetenz der Mitgliedsorganisationen. Diese können dadurch noch wirkungsvoller gefährdete Kinder in Uganda schützen.

Die Programmarbeit von CaRNaC fokussiert sich primär auf Kinder, die in Kinderarbeit involviert sind und deren Grundrechte dadurch missachtet werden.

Projektgebiet

Das Projektgebiet liegt in den Distrikten Busia und Namayingo mit einer Bevölkerung von 360'000, respektive 228'000 Menschen. Die Haupteinnahmequelle der Bevölkerung ist Landwirtschaft. Namayingo liegt am Victoriasee und die Fischerei ist eine weitere Einnahmequelle. Busia ist einer der wichtigsten Getreideumschlagsplätze des Landes und liegt am «Ostafrikanischen Highway» im Südosten von Uganda, an der Grenze zu Kenia.

Die Region ist reich an Bodenschätzen. Seit Jahren werden in Minen im Tagebau Gold abgebaut. Trotz diesem natürlichen Reichtum sind die meisten Familien in dieser Region sehr arm und sehen keine andere Lösung als ihre Kinder zum Geld verdienen in die Minen oder auf die Strasse zu schicken. Bei der Gewinnung von Gold wird Quecksiliber eingesetzt, welches ungehindert in Flüsse und Seen gelangt. Dies birgt ein grosses Gesundheitsrisiko für Bevölkerung, Nutztiere und Fische.

Projekt-Übersicht

LandUganda
GebietBusia-Distrikt

Schwerpunkte

Sensibilisierung für Kinderrechte, Wiedereinschulung von Kindern, alternative Einkommensquellen

 

Partner-
organisation

Children at Risk National Collaboration of Christian Agencies
Uganda (CaRNaC)

Entrechtet und vogelfrei