Familien von Gefangenen stärken: Eine junge Frau sitzt an einer Nähmaschine und lächelt in die Kamera.
Sambia

Familien von Gefangenen stärken

Inhaftierte und ihre Familien werden in Sambia stark stigmatisiert und benachteiligt. Solche Familien sind deshalb gefährdet, in chronische Armut abzugleiten. Das führt häufig zu erneutem straffälligem Verhalten. Die TearFund-Partnerorganisation Prison Fellowship Zambia setzt hier an. Sie unterstützt inhaftierte Menschen und ihre Familien, damit sie die Spirale von Armut und Illegalität durchbrechen können. 

Erlebt: Chungu packt die Chance

Als wir Chungu Bandawe treffen, ist er seit 8 Tagen wieder auf freiem Fuss. Seine Situation hat sich völlig verändert: Vor der Haft hatte er eine Familie. Nun lebt er allein. Seine Frau starb inzwischen an Malaria. Die drei Kinder wohnen bei der Grossmutter.

Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung. Chungu machte im Gefängnis eine Ausbildung zum Schneider: «Ich kam mit Prison Fellowship in Kontakt, als Mitarbeitende im Gefängnis Medikamente abgaben. Sie klärten uns zudem über HIV/Aids auf. Und ich erfuhr, dass sie auch eine Schneiderausbildung anbieten. Dazu war ich sofort sehr motiviert.»

Armut und Ausgestossensein lassen ehemalige Inhaftierte rückfällig werden. Ein gesichertes Einkommen kann diese Faktoren erheblich reduzieren. Chungu hat viele Pläne: «Im Gefängnis hatte ich neben der Schneiderausbildung auch Englisch und Mathematik. Gerne möchte ich Elektrotechnik studieren. Ich habe nämlich gemerkt, dass mir Mathematik liegt. Daneben würde ich halbtags als Schneider arbeiten. So könnte ich meine Kinder zurückholen, die bei meiner Schwiegermutter leben.»

Ein grosses Vorbild für Chungu ist Bischof Enocent, Mitarbeiter von PFZ. «Er hat mich sehr unterstützt und meinen Glauben gestärkt. Ich bewundere seine Arbeit in den Gefängnissen.» Der motivierte Chungu will etwas zurückgeben: «Ich möchte als Freiwilliger mit PFZ arbeiten und Besuche in Gefängnissen machen. Ich weiss ja, wie hart die Leute es dort haben!»

Projektinhalt

Im Projekt werden die Angehörigen von inhaftierten Menschen befähigt, ihre Existenz zu sichern. Auch die sozialen und beruflichen Chancen von Kindern aus solchen Familien verbessern sich signifikant. Die Inhaftierten bekommen noch im Gefängnis eine Ausbildung. Nach ihrer Entlassung finden sie sozial und wirtschaftlich in die Gesellschaft zurück. Sie verleihen damit dem Projekt Ausstrahlung. Zudem sind sie Vorbild für eine gelungene Reintegration von Inhaftierten in die Gesellschaft. Das hat wiederum Einfluss auf den Strafvollzug und die Gesetzgebung in Sambia. 

Konkret wird dies erreicht durch:

  • Betreuung der inhaftierten Menschen durch qualifizierte Freiwillige. So werden die administrativen Kosten tief gehalten.
  • Vermittlung von unternehmerischen und handwerklichen Fähigkeiten wie Schneidern, Backsteinherstellung und Schreinerhandwerk an inhaftierte und ehemalig inhaftierte Menschen
  • Kampagnen zur Arbeitsplatzvermittlung von ehemaligen Häftlingen
  • Unterstützung der Familien von inhaftierten Menschen durch psychosoziale Betreuung und Information über ihre Rechte
  • Bildung und Unterstützung von dörflichen Spargruppen
  • Schulung in nachhaltiger Landwirtschaft für die Familien der inhaftierten Personen, damit diese sich selbst versorgen können

Partnerorganisation

Prison Fellowship Zambia wurde im Jahre 1984 durch die Initiative eines Geschäftsmanns gegründet, der aus politischen Gründen selbst im Gefängnis gelandet war. Er wurde von den Menschen, die ihn besuchten, sehr ermutigt. Das führte dazu, dass er noch im Gefängnis beschloss, eine Organisation zu gründen, die sich um Inhaftierte kümmert.

Anfänglich lag der Schwerpunkt der Arbeit auf der seelsorgerlichen Betreuung von inhaftierten Menschen. Schnell wurde aber klar, dass die inhaftierten Menschen in Sambia Unterstützung in weiteren Bereichen brauchen. Aufgrund der Tatsache, dass die Familien von inhaftierten oder ehemals inhaftierten Menschen mit enormen sozioökonomischen Problemen zu kämpfen haben, engagiert sich Prison Fellowship auch für die soziale und wirtschaftliche Rehabilitierung der betroffenen Familien.

Projektgebiet

Das Projektgebiet befindet sich in der Provinz Copperbelt. Copperbelt ist das bedeutendste Kupferabbaugebiet Afrikas. Nach Südafrika ist es auch das grösste Industriegebiet südlich der Sahara.

Projekt-Übersicht

LandSambia
Gebiet"Copperbelt" um Ndola
Schwerpunkte

Verbesserte Lebensqualität für benachteiligte Familien
durch Bildung von Spargruppen, Alphabetisierung,
Ausbildung für Inhaftierte etc.

Partner-
organisation
Prison Fellowship Zambia