Monsun: Die Katastrophe innerhalb der Katastrophe
Monsun: Die Katastrophe innerhalb der Katastrophe

Viele Frauen wurden vergewaltigt

An dem Tag als ihr Dorf angegriffen wurde, war Salima gerade in ihrem Haus. «Als ich die Schüsse hörte, ging ich hinaus und sah Menschen fliehen.» Salima versteckte sich daraufhin zusammen mit 30 anderen Frauen in einem Haus und hoffte darauf das schlimmste zu überstehen. Doch sie wurden gefunden.

Lesen Sie hier Salimas erschütternde Geschichte «Viele Frauen wurden vergewaltigt».

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Monsun: Die Katastrophe innerhalb der Katastrophe

Mehr als 900.000 Rohingya-Flüchtlinge leben aktuell in Bangladesch – über eine halbe Million leben in der grössten Flüchtlingssiedlung der Welt in Cox's Bazar. Die Dringlichkeit dieser Situation wird durch den Monsun noch verstärkt. Bereits ereigneten sich einige Überschwemmungen und Erdrutsche. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden sich in dieser Situation Krankheiten ausbreiten. Es besteht ein hohes Risiko für Wirbelstürme. Wir möchten uns nicht vorstellen was passiert, wenn einer auf eine Flüchtlingssiedlung trifft.

Mit unseren Partnerorganisationen erstellen wir dringend benötigte medizinische Einrichtungen. Zudem schulen wir Menschen, wie sie übertragbare Krankheiten vermeiden können. Verschiedene Werke der Dachorganisation Integral – zu der TearFund Schweiz gehört – arbeiten fieberhaft vor Ort, um Gefahren zu mildern, denn die Zeit drängt. Bitte beten Sie für…

  • Frieden in Myanmar und dass sich die komplexen Gründe für die Krise lösen
  • Heilung äusserer Verletzungen und die Bewältigung der Traumata
  • Sicherheit in diesem riesigen Camp, Sicherheit vor Krankheiten, Unfällen und Gewalt
  • Sicherheit vor allem für Frauen und Kinder
  • Hoffnung und eine Zukunft für die Rohingya

Eine Zuflucht oder ein tödliches Gefängnis?

Die Flüchtlingscamps der Rohingyas in Bangladesch: Sind sie eine Zuflucht oder ein tödliches Gefängnis? Denn die Monsunzeit bedeutet eine zusätzliche Gefahr für die geflüchteten Menschen. Die Niederschläge nehmen jetzt stark zu und brechen in grossen Wassermassen über die Flüchtlingscamps herein.

Viele der geflohenen Rohingya-Familien mussten ihre Verschläge aus Blachen und Planen an gefährlichen Orten aufbauen. Nun sind sie der Gefahr ausgesetzt überschwemmt oder von Murenabgängen verschüttet zu werden.

Doch Umsiedlungen sind nur begrenzt möglich. Evakuierungen werden nicht stattfinden, wie Hilfswerke informiert wurden. Auch die Region Cox Bazar, wo TearFund lokale Partner bei der Nothilfe unterstützt, ist Überflutungsgefährdet. Die Gefahr droht auf verschiedenen Ebenen:

  • Hütten werden weggespült oder von Erdrutschen verschüttet
  • Latrinen werden überschwemmt oder verschwinden gänzlich im Schlamm. Derweil hat bis jetzt ohnehin nur 1/3 der Geflohenen eingeschränkten Zugang zu sanitären Einrichtungen
  • Das Trinkwasser wird mit Fäkalien verseucht, Krankheiten wie Cholera breiten sich aus
  • Zugangsstrassen werden unpassierbar und es wird sehr schwierig werden, die Hilfe zu den Menschen zu bringen
  • Es gibt kaum noch freie, sichere Landstücke, wo sich Menschen niederlassen könnten, deren Unterkunft überflutet wurde

«Mit ihrem Tod rettete mir meine Oma das Leben»

In der Nacht, als ihre Familie stirbt, rechnet Nasima (8) auch mit ihrem eigenen Tod. Sie hatten das Massaker in ihrem Dorf überlebt und es bis zum Fluss geschafft. Dort steigt die Familie – Eltern, Geschwister und Grossmutter – mit rund siebzig Zuflucht suchenden in ein Fischerboot. Das Boot kommt nie am anderen Ufer an.

«Wir waren sieben Familienmitglieder im Boot. Sechs ertranken», flüstert Nasima. Als das Boot kentert, hält sich das Mädchen an Holzstücken fest, doch die Strömung reisst sie immer wieder davon los. Sie versucht verzweifelt auch ihre kleine Schwester über Wasser zu halten, hat aber nicht genügend Kraft. «Ich habe es wirklich versucht», meint sie verzweifelt. «Aber wie hätte ich das schaffen sollen?»

Mit letzter Kraft klammert sie sich schliesslich an etwas Festes das im Wasser treibt und gelangt ans Ufer. Dort sieht sie mit Grauen, dass ihr Rettungsring ihre tote Grossmutter ist. Die schrecklichen Erlebnisse verfolgen das Mädchen bis heute in ihren Träumen.

Nasimas Glück war ein Telefonanruf ihrer Mutter an ihren Schwager, der bereits mit seiner Familie in Bangladesch lebte. Sie hatte ihm erzählt, wo sie mit dem Boot an Land kommen wollten. So waren Nasimas Onkel und Tante am Flussufer, als das Mädchen aus dem Wasser kriecht. Weinend schliessen sie ihre Nichte in die Arme. «Nasima lebt nun mit meiner Familie», erklärt der Onkel. «Wir ziehen sie auf als unsere eigene Tochter.»

Die Geborgenheit in der neuen Familie ist wichtig für Nasima. Ebenso braucht sie medizinische Versorgung. Unsere Partner vor Ort setzen sich dafür ein, dass diese auch in der Monsuzeit verfügbar ist.

Bitte helfen Sie Leben zu retten: Spenden Sie über den roten Spendenknopf oben rechts.

Wer flüchtet, verliert alles: Heimat, Angehörige, die Würde

Seit August 2017 sind mehr Rohingya nach Bangladesch geflohen, als es in 2016 gesamthaft Mittelmeerflüchtlinge nach Europa gab. Über 880'000 Menschen (Quelle: OCHA) überquerten in dieser Zeit die Grenze auf der Flucht vor Gewalt. Sie alle haben Familienangehörige und ihr ganzes Hab und Gut verloren.

Eine Mutter (27) erzählt regungslos: "Vor drei Wochen hatte ich einen Ehemann und vier Kinder. Heute habe ich noch zwei Kinder." Ihr gelang die Flucht mit zwei Kindern, ihren verletzten Mann musste sie zurücklassen, zwei ihrer Kinder verschwanden plötzlich inmitten der Wirren. Mit ihrem einzigen Schmuckstück, einem Nasenring, erkaufte sie an der Grenze die rettende Bootsfahrt nach Bangladesch.

Obwohl die lokale Bevölkerung die Ankömmlinge gastfreundlich aufgenommen hat, sind Einwohner und Behörden ob der riesigen Menschenmenge überfordert. Die Flüchtlingslager sind komplett überfüllt. Hunger und der Ausbruch von Seuchen gefährden alle.

In den Flüchtlingscamps in Bangladesch erzählen viele Mütter von solch traumatischen Geburten. Eine davon hat soeben Zwillingsbuben (Bild oben) zur Welt gebracht.

Tagelange Flucht – Geburt im Dschungel

Ein Kind zur Welt zu bringen, ist auch mit unserer modernen Medizin eine Grenzerfahrung. Wir können uns nicht vorstellen was es bedeutet, sein Kind allein im Dschungel zu gebären. Oder unter der Zeltblache in einem völlig überfüllten Flüchtlingscamp.

In den Flüchtlingscamps in Bangladesch erzählen viele Mütter von solch traumatischen Geburten. Eine davon hat soeben Zwillingsbuben (Bild oben) zur Welt gebracht. Dass Mutter und Kinder diese Geburt überlebt haben, ist schon ein kleines Wunder.

Ein grösseres braucht es, damit die Kinder eine echte Zukunftschance haben. Die meisten Mütter und Kinder sind stark unterernährt. Wenn dadurch die Muttermilch versiegt, ernähren die Frauen ihre Neugeborenen mit Reisbrei und Wasser. Wasser, das voller Krankheitserreger ist. Viele Babys werden das nicht überleben. Die Partner von TearFund verteilen in den Flüchtlingscamps Lebensmittel und Güter. Helft mit, Menschen vor dem Hungertod zu retten.

Der grösste Teil der Geflohenen sind Frauen und Kinder

Die Hintergründe des Flüchtlingsdramas in Bangladesch sind komplex. Fakt ist: Seit Mitte August eskaliert die Gewalt und Hunderttausende von Menschen fliehen von Myanmar ins Nachbarland.

Zusammen mit den in der Vergangenheit geflohenen Menschen leben heute rund 600’000 Rohingya in Bangladesch — zum überwiegenden Teil im Bezirk Cox's Bazar — eine Weiterreise ist ihnen durch die Regierung verboten.

Viele sind tagelang im Dschungel unterwegs und überqueren die Grenze zu Fuß mit dem, was sie tragen können. Andere kommen mit Booten im Nachbarland an, oft bezahlen sie die Überfahrt mit ihrem letzten Geld. Der grösste Teil der Geflohenen sind Frauen und Kinder.

Bei der überstürzten Flucht werden Familien auseinandergerissen. Da die meisten Rohingya keine Ausweispapiere besitzen, können sie in Bangladesch keine Karten zum Telefonieren kaufen. Das macht es für sie noch schwieriger, ihre Liebsten wieder zu finden.

60% der Frauen werden auf der Flucht vergewaltigt

Grace von unserer Partnerorganisation, besuchte im September Cox's Bazar, wo sich momentan das grösste Flüchtlingscamp der Welt befindet.

Die Menschen flüchten immer noch in Strömen nach Bangladesch. Über 500'000 Menschen (Stand September) sind schon aus dem Nachbarland geflohen und die Zahlen steigen noch immer.

Einen Tag nach meiner Ankunft in Bangladesch flog ich nach Cox’s Bazar. Dort leben die meisten Rohingya-Flüchtlinge. Fast hätte ich es aber nicht bis nach Cox’s Bazar geschafft, wegen der dichten Bewölkung und dem starken Regen. Der Pilot konnte die Landebahn nicht sehen, weshalb er dann Chittagong ansteuerte, wo wir eine Stunde ausharren mussten, bis das schlechte Wetter vorbei war. Wie geht es wohl den Flüchtlingen bei diesem Wetter in ihren Unterständen?

In Cox’s Bazar angekommen, traf ich eine Frau. Ihr Name ist Safiri. Sie war vier Tage lang auf der Flucht. «In meinem Dorf wurden alle 3000 Häuser niedergebrannt und mein Ehemann wurde erschossen», erzählte sie mir verzweifelt. Gemeinsam mit ihren sechs Söhnen und sechs Töchtern verliess sie eines Abends im September, ihr Heimatdorf. Aus Angst, dass ihre Töchter und sie vergewaltigt würden, flüchtete sie vor Mitternacht. 60% der Frauen in diesem Camp wurden auf der Flucht vergewaltigt.

Die Erlebnisse der Geflüchteten sind zum Teil so traumatisch, dass sie nicht darüber sprechen können. Männer wurden geschlagen, gefoltert, geköpft oder erschossen. Es gibt ein riesiges Bedürfnis an psychologischer Betreuung.

Hilfe ist dringend nötig

Das Kanadische Hochkommissariat vor Ort befürchtet, dass die Chancen auf eine Konfliktlösung sehr schlecht stehen. Es könne durchaus sein, dass die Krise 2, 5 oder sogar 10 Jahre andauert. Es existieren Camps mit Rohingya, die bereits 1990 flüchteten und heute noch hier sind. Die Menschen hier werden noch lange Unterstützung benötigen.

TearFund unterstützte beispielsweise Ende 2017 zusammen mit lokalen und internationalen Partnern vor Ort die Verteilung von Lebensmitteln und Haushaltsgütern an 3'000 Haushalte. Ihre Spenden halfen damit rund 21'000 notleidenden Kindern, Frauen und Männern.

Nun muss die Hilfe weitergehen, der Monsun naht und eine politische Lösung der Krise scheint kurfristig nicht möglich.

Setzen Sie ein Zeichen der Solidarität: Schon 30, 50 oder 100 Franken bewirken viel. Bitte nutzen Sie den roten Spendenknopf rechts oben oder unten - herzlichen Dank!

Kurz erklärt

Seit August 2017 flohen hunderttausende Rohingya nach Bangladesch. Die Flüchtlingslager sind komplett überfüllt. Hunger und der Ausbruch von Seuchen gefährden alle. Die Ver- und Entsorgung ist eine Herkulesarbeit.

TearFund konnte in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern Ende 2017 rund 21'000 Rohingya für drei Monate mit notwendigen Nahrungsmitteln versorgen. Nun muss die Hilfe weitergehen.

Bitte helfen Sie mit, eine sichere Gesundheitsversorgung in den Camps aufzubauen.

Wenn Wasser tödlich wird

Der Monsun ist für die Flüchtlingslager eine gefährliche Bedrohung, wie das Video «Flooding and Landslides Threaten Rohingya Refugees» unserer Partnerorgansiation eindrücklich vor Augen führt.

Übersicht

Nothilfe und Wiederaufbau

LandBangladesch
GebietCox's Bazar
Schwerpunkte

Schwerpunkt: GesundheitsversorgungSchwerpunkt: Hygieneschulung

PartnerorganisationINTEGRAL-Partner

Interview zur Situation vor Ort

In Zusammenarbeit mit