Peru: Marianne Suter auf einem Gruppenfoto mit Verantwortlichen des Projekts.
Es braucht wenig ...

... um zufrieden zu sein

 

Von Marianne Suter, Freiwillige

Eine Reise ins Ausland ist oft eine Reise ins Ungewisse. Die Aufregung vor meinem 5-monatigem Peruaufenthalt gehörte einfach dazu. Diese wandelte sich jedoch schnell in Neugier und Freude um. Jeden Tag war ich dankbar für die unvergesslichen und eindrucksvollen Erfahrungen in Peru, welche mir den Horizont enorm erweitert haben. Zuerst ging ich Ende März 2016 einen Monat nach Arequipa in die Sprachschule. Anfangs Mai reiste ich nach Huanuco um die Familie in Huanuco und die peruanische Partnerorganisation von Tearfund „Renacer“ kennenzulernen und meine Arbeit als Physiotherapeutin im aktuellen Projekt von Renacer einzubringen.

Renacer: Aktuelles 3-jähriges Projekt

Renacer arbeitet an sechs verschiedenen Orten: in der Stadt Huanuco selber, El Valle, Ambo, Molino, Aucayacu und Luyando. In Arbeits- oder Werkstätten lernen Menschen mit Behinderungen, wie sie selber etwas herstellen können. Das aktuelle Projekt dauert drei Jahre. Im ersten Jahr lernten die Frauen beispielsweise, verschiedene köstliche Backwaren oder Milchprodukte herzustellen und Kleidungsstücke zu stricken. Die Männer fertigten nützliche Gegenstände aus Metall oder Holz für den Alltag, wie z.B. Rollstühle, Wohnmöbel oder Meerschweinchenkäfige. Auch Meerschweinchenzucht wird betrieben. Im 2016 begann das zweite Jahr des Projektes. Die Begünstigten des Projekts lernten, wie sie ihr Produkt verkaufen können. Im dritten Jahr (2017) werden sie dann nur noch unterstützt. Das Ziel ist, dass jeder möglichst eine Plattform hat, wo er seine Produkte verkaufen kann, wie z.B. auf dem Markt oder in einem kleinen Laden.

Meine Arbeit im Projekt

Die meisten Teilnehmer des Projektes hatten vorher noch nie eine Physiotherapie. So war ich echt gespannt, wie die Therapie ablaufen würde. Die Physiotherapie mit den Begünstigten des Projekts ist ganz anders als in der Schweiz, weil viele ein weniger gutes Verständnis für ihren Körper, Gesundheit oder Bewegung haben und weil es neben den alltäglichen Anstrengungen schwer verständlich ist, nebenbei noch Heimübungen zu machen.

Viele gehen jedoch mit einem Lächeln auf dem Gesicht aus der Therapie. Einige vielleicht, weil sie froh sind um ihre neuen Hilfsmittel und Gehhilfen. Andere, weil sie weniger Schmerzen haben oder besser verstehen, warum sie Schmerzen haben. Wieder andere vielleicht, weil die Liege bequem war oder das Gespräch einfach gut tat. Es gibt aber auch Patienten, die enttäuscht sind, weil sie durch die Therapie nicht wieder gehen können oder weil sie andere Vorstellungen von ihrer Einschränkung haben.

Einige Patienten hatten schon fortgeschrittene Krankheiten und Einschränkung. Je fortgeschrittener eine Einschränkung ist, umso schwieriger ist es, diese zu behandeln. Anfangs habe ich oft gedacht: Wenn diese Menschen doch früher Therapie gehabt hätten! Ich konnte meine Haltung zu diesem Thema jedoch ein wenig anpassen. Was ich zur Genesung dieser Menschen beitragen konnte, habe ich sehr gerne getan. In all dem bin ich Gott so dankbar, dass Er einen unvorstellbar grossen Überblick hat und auch mit all diesen Menschen seinen Plan hat. Gott kann mich als kleines Instrument von etwas viel Grösserem brauchen.

Einblicke ins Leben der Begünstigten

Astrid

Seit Kindesalter kann Astrid ihr rechtes Knie nicht kontrollieren. Sie hat drei Kinder im Vorschulalter. Ihr Ehemann hat ihr eine Stütze aus Holz für das Knie gemacht. Hinten am Oberschenkel legt sie sich täglich dieses Stück Holz mit einem Klettverschluss an, so kann sie kürzere Strecken ohne Hilfsmittel gehen. Dies ist ein tolles Beispiel für kreative Selbsthilfe. In der Werkstätte von Renacer lernt Astrid das Handwerk mit Metall, um beispielsweise Meerschweinchenkäfig zu bauen. Mit Astrid habe ich vor allem Kraftübungen für ihren Körper gemacht, damit sie den Ausfall der Motorik des Oberschenkels etwas kompensieren kann.

Alberto

Alberto hatte einen Schlaganfall und kann nicht sprechen. Er versteht jedoch gut, was ihm erklärt wird. Lange Zeit war er meist zuhause und konnte nicht viel machen. Nun hat er gelernt, Meerschweinchen zu züchten und verdient Geld, indem er sie verkauft. Zurzeit ist er stolzer Besitzer von ca. 40 Meerschweinchen. Er ist sehr motiviert, seine Übungen zu machen, damit seine starre Hand ihre Beweglichkeit zurück erhält und er so arbeiten kann.

Sheyla

Die 21-Jährige kann ihre Beine seit 5 Jahren nicht mehr bewegen. Vorher konnte sie gehen, dann während ihres 16. Lebensjahres hatte sie immer weniger Kraft in ihren Beinen, bis sie schliesslich auf den Rollstuhl angewiesen war. In Lima konnte vor 2 Jahren keine genauere Diagnose gestellt werden. Sheyla wohnt bei ihren Eltern. Bei einem Besuch in ihrem Haus bot uns Sheyla sogar ihre Bettdecke an, damit wir die Bodenmatte nicht auf den Fussboden legen müssten. Sheyla häkelt mit einer speziellen Maschine schöne Pullis, Ponchos und Schals. Sheyla ist sehr froh um die Therapie und lacht viel.

Fazit

Ich würde mich sofort wieder für meinen Auslandeinsatz in Peru entscheiden. Ich durfte in die peruanische Kultur eintauchen, die vielfältige Landschaft Perus kennenlernen, die spanische Sprache erlernen und meine Kreativität für die physiotherapeutische Behandlung erweitern. Ich lernte, dass Menschen auch mit wenig zufrieden sein können. Ich erhielt eine Dankbarkeit für alles Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige. Ich erkannte: Gott hat einen Plan für jeden Menschen.

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