
Krise in der Demokratischen Republik Kongo
Hintergründe
Die Ursachen dieses Konflikts sind sehr komplex: Verschiedene verfeindete Volksstämme, schwache staatliche Strukturen, reiche Bodenschätze und die Interessen multinationaler Unternehmen tragen unter anderem dazu bei, dass die Kämpfe immer wieder aufflammen.
Die Absenz einer staatlichen Struktur und Autorität im Ostkongo, gekoppelt mit den Auflösungserscheinungen der kongolesischen Armee ermöglichte es verschiedenen Rebellengruppen, die Kontrolle über weite Gebiete in der Region zu erlangen.
Bodenschätze finanzieren den Konflikt
Die immensen Rohstoffvorkommen in der Region haben eine Reihe von Kriegsgewinnlern hervorgebracht. Die demokratische Republik Kongo verfügt über die weltweit grössten Reserven an Kupfer, Coltan, Gold und Diamanten. Coltan, ein sehr begehrtes Metall, wird hauptsächlich in der Region Ostkongo gewonnen. Die Rebellen, sowie auch Teile der kongolesischen Armee, kontrollieren viele der Rohstoffvorkommen und verkaufen die geförderten Rohstoffe meistens über Ruanda und Uganda an die Abnehmer. Die Rebellen verfügen so über die nötigen finanziellen Mittel, um sich auszurüsten und so den Konflikt am Leben zu erhalten.
Noch immer existiert keine verbindliche internationale Vereinbarung, die eine Zertifizierung der Herkunft der Rohstoffe vorschreibt und so den Handel mit Rohstoffen durch die Rebellengruppen einschränkt. Es fehlt leider der Wille der Hauptabnehmer dieser Rohstoffe - häufig multinationale Firmen - und der politische Druck aus den Verbraucherländern, sich mit der Herkunft der Rohstoffe auseinanderzusetzen.
Verfeindete Volksgruppen
Der Genozid von 1994 in Ruanda, eines der schlimmsten Verbrechen der jüngsten Geschichte, hat immer noch Auswirkungen auf die Situation im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Mitglieder von früheren Hutu Milizen, die sich in Ruanda des Verbrechens gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben, halten sich immer noch in der Region auf. Ruanda spielt deshalb weiter eine aktive Rolle durch Unterstützung der Tutsi-Rebellen. Die internationale Friedenstruppe (MUNOC), mit 17'000 internationalen Soldaten die zurzeit grösste und stärkste UNO-Mission, scheint ausser Stande zu sein den Konflikt zu befrieden und die Zivilbevölkerung genügend zu schützen. Der Konflikt, in dem sowohl Partikularinteressen als auch regionale Interessen ausgespielt werden, ist von komplexer Natur und erfordert dementsprechend komplexe, umfassende regionale Lösungsstrategien.
Die humanitäre Krise
Gemäss dem Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo haben nur rund 45% der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser. In ländlichen Regionen liegt der Anteil bei lediglich 24% der Bevölkerung. Nur gerade 12% der Menschen haben Zugang zu verbesserten sanitären Einrichtungen und ein Viertel der Bevölkerung hat die Möglichkeit den Haushaltsabfall richtig zu entsorgen.
Die Zusammenhänge zwischen dem Gesundheitsstatus der Bevölkerung und dem Vorhandensein und der Zugänglichkeit von sanitären Anlagen werden offiziell anerkannt, führen aber leider nicht zu entsprechenden Interventionen. Staatliche Interventionen beschränken sich hauptsächlich auf den kurativen Gesundheitsbereich. In Regionen, in denen staatliche Strukturen weitgehend fehlen, sind die Folgen für die Bevölkerung verheerend. Menschen sterben an den Folgen von vermeidbaren Infektionskrankheiten, die über das Wasser übertragen werden. Kleinkinder bis zum Alter von fünf Jahren sind besonders gefährdet. Der jüngste Ausbruch von Cholera ist immer auch ein Indiz für die schlechten Hygienebedingungen und den ungenügenden Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Die politischen und militärischen Kräfte in der Region sind äusserst fragmentiert und viele Beobachter sind sehr besorgt über die Spannungen zwischen den verschiedenen Kräften. Die Region steht am Rande einer neuen Welle von extremer Gewalt. Die Gefährdung der Bevölkerung ist extrem hoch.
















