
- Bild: Jaqueline Koster, CRWRC
Nothilfe: Horn von Afrika
Nothilfe mit Langzeitperspektive
Ostafrika ist eine regenarme Region, die Menschen sind Trockenzeiten gewohnt. In einigen Gegenden am Horn von Afrika herrschte 2011 jedoch die schlimmste Dürre seit 60 Jahren. Die Ernte fiel aus, das Vieh verendete, die Menschen hungern. In einigen Gebieten haben Regenfälle zu einer Entspannung der Trinkwassersituation geführt und es konnte ausgesät werden, allerdings kam es auch zu Überschwemmungen. Die positiven Veränderungen durch die Regenfälle wurden aber durch die zunehmenden Konflikte und die rapide, verschlechterte Sicherheitssituation im Isiolo Distrikt wettgemacht. Konflikte gab es im Isiolo Distrikt schon vor der Dürre, doch leider eskalierte Mitte November die Situation.
Hintergründe
Hintergründe
Nach Schätzungen des Welternährungsprogramms benötigten im 2011 über 12 Millionen Menschen am Horn von Afrika Nahrungsmittelhilfe - mindestens bis Februar 2012 wird die Situation kritisch bleiben, dann wird die neue Ernte in einige Gegenden Entspannung bringen. Voraussichtlich waren die Niederschläge aber nicht überall ausreichend für eine gute Ernte. Besonders betroffen sind Ostäthiopien, Nordkenia und Somalia. Von 2008 bis Ende 2009 leistete TearFund Schweiz bereits einen Beitrag in Zusammenarbeit mit lokalen und international Partnerorganisationen in der Bewältigung der damaligen Dürre.
Die Bemühungen der lokalen Partnerorganisation, die Menschen besser auf Trockenheit vorzubereiten, zeigen vielerorts Erfolg. Doch das aktuelle Zusammenspiel von erschwerenden Bedingungen übersteigt die Möglichkeiten der betroffenen Familien.
Als Folge von problematischen politischen Entwicklungen und einer schlecht ausgeführten Entwaffnungsaktion, hat sich die Sicherheitssituation im Isiolo Distrikt weiter verschlechtert. Zusätzlich haben die lange Trockenheit und die zunehmenden Verknappung der Ressourcen die schwelenden Konflikte verschärft. Dadurch sehen sich viele Menschen gezwungen ihre angestammten Wohngebiete zu verlassen und errichten temporäre Camps in der Nähe von öffentlichen Gebäuden (Schulen, Kirchen), mit dem Ziel dadurch mehr Sicherheit zu erlangen. Viel dieser Menschen leben immer noch in Camps, die meisten davon sind begünstigte Menschen des Projekts. Es wird geschätzt, dass momentan rund 2‘000 Menschen in solchen temporären Camps leben.
Die Preise für Grundnahrungsmittel verzeichneten in den letzten Monaten einen enormen Anstieg. Beispielsweise wurde Mais an manchen Orten innerhalb eines Jahres über 100% teurer. Die ebenfalls sehr hohen Treibstoffpreise verunmöglichen häufig den Einsatz von Wasserpumpen und erschweren den Transport von Lebensmitteln.
Dank den Regenfällen, die positive Effekte auf die Tiergesundheit hatten, sind die Viehpreise wieder gestiegen und die Nahrungsmittelpreise etwas gesunken.Für die Bevölkerung, die zum grossen Teil als Viehzüchter arbeiten, sind dies positive Entwicklungen.
Das Leben von Hussein und Hadijah
Das Leben von Hussein und Hadijah
Hussein Ali (33) und seine Frau Hadijah Hussein (32) leben in einem kleinen Dorf nördlich des Mount Kenya. Es ist ein heisser, trockener, windiger und staubiger Ort, hier zu Leben scheint auf den ersten Blick unmöglich zu sein. Doch es gibt hier viele Familien, die nirgendwo anders hingehen können und das beste aus der Situation machen müssen. Hussein und Hadijah haben drei eigene Kinder, 3,4 und 5 Jahre alt. Zusätzlich haben sie die Verantwortung übernommen für drei Kinder von Husseins Schwester, 6,9 und 13 Jahre alt. Die Mutter konnte nicht mehr für sie sorgen und zog fort.
Hussein bebaut ein sehr kleines Stück Land, wo er Mais, Cassava und Fruchtbäume zur Selbstversorgung sowie Bohnen und Tomaten zum Verkauf anpflanzt. Dabei hängt er von den unvorhersehbaren Regenfällen ab. Im Mai 2011 fiel die Regenzeit vollständig aus, es gab keine Ernte. Für ein Zusatzeinkommen arbeitet Hussein normalerweise auf Feldern von reicheren Leuten und als Hirte für ihre Herden. Doch auch diese leiden stark unter den fehlenden Niederschlägen, ein grosser Teil des Viehs verendete oder musste zu sehr niedrigen Preisen verkauft werden. Mit viel Glück verdient Hussein 17-20$ pro Monat, was nicht zur Ernährung der Familie ausreicht.
Hussein und Hadijah gehören zu den Empfängern der Nahrungsmittelhilfe von CRWRC. Mit Mais und Linsen wird die Zeit bis zur nächsten Ernte überbrückt, die hoffentlich im Januar oder Februar 2012 möglich ist. Trotz der schwierigen Situation teilt das Paar auch mit Nachbarn, wenn diese in Not sind. Nun hat die kurze Regenzeit begonnen und Hussein ist optimistisch. Er pflanzt Bohnen und Mais und hofft, dass er wieder eine Kuh erhält. Damit könnten sie die unmittelbaren Bedürfnisse der Kinder decken und sogar an eine Zukunft denken.
TearFund sieht hin und handelt
TearFund unterstützte die hungernden Menschen in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern bei der Bewältigung der ersten Phase der Krise. Für diese Nothilfe tritt TearFund erstmals mit dem Hoffnungsnetz auf, der Arbeitsgemeinschaft 6 schweizerischer christlicher Hilfswerke.
Die Projektarbeit von TearFund konzentriert sich auf Nordkenia. In den Distrikten Isiolo und Mbeere werden 3'000 Haushalte erreicht, insgesamt ca. 21'000 Personen.
In der ersten Phase der Krise erhielt die betroffene Bevölkerung Nahrungsmittelhilfe, Zugang zu Trinkwasser und Veterinärdienstleistungen. Von Februar bis Mai ist vorgesehen, die Wasserrückhaltebecken fertigzubauen. Diese helfen mit, die zukünftige Gefährdung der Menschen durch Dürren zu reduzieren und ihre Fähigkeit, Krisen zu überstehen, zu stärken. Die begünstigten Familien helfen mit, beispielsweise bei der Reparatur oder Erweiterung der Wasserrückhaltebecken, beim Pflanzen von Bäumen oder beim Anbau von trockenheitsresistentem Gras für das Vieh.
Auch für die Bevölkerung, die von den verschärften Konflikten und schwierigen Sicherheitslage betroffen ist, soll in den kommenden Monaten Hilfe in Form von Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen sowie medizinischer Hilfe und Notunterkünfte geleistet werden.
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Mit CHF 120.- erhalten zwei Familien Nahrungsmittel, Trinkwasser und weitere Unterstützung für einen Monat.
21. Februar 2012



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