Wie der Klimawandel die Ärmsten bedroht

Bereits heute verenden in Trockenzeiten viele Tiere - Hirtenvölker verlieren ihre Lebensgrundlage
Die vielfältigen Folgen des Klimawandels sind eine existenzielle Bedrohung für Entwicklungsländer. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) identifiziert in seinem jüngsten Bericht über die menschliche Entwicklung fünf wesentliche Problemfelder als Folge des Klimawandels. Sie wirken einerseits für sich allein, verstärken sich jedoch auch gegenseitig oder können weitere bereits bestehende Problembereiche intensivieren. Sie werden deshalb “Transmissionsriemen” genannt.
Sinkende Ernteerträge
Erhöhte Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster werden weltweit die Ernteerträge verringern, in manchen Teilen Afrikas um bis zu 50%. Wenn die Ernten vertrocknen oder verfaulen, sind Hungersnöte vorprogrammiert.
Mangelhafte Wasserversorgung
Die Versorgung mit Wasser wird insgesamt prekärer. Zusätzliche 1,8 Milliarden Menschen könnten sich im Laufe des Jahrhunderts akuten Wassermangel ausgesetzt sehen. Im Einzugsgebiet des Himalaya beispielsweise treten infolge des rapiden Abschmelzens der Gletscher die Flüsse erst häufiger über die Ufer, um dann in Zukunft deutlich weniger Wasser zu führen - mit schweren Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die Verfügbarkeit von Trinkwasser und die Gesundheit der Menschen.
Steigende Meeresspiegel und extreme Unwetterkatastrophen
Im Laufe der nächsten Jahrzehnte werden Hunderte von Millionen Menschen infolge des steigenden Meeresspiegels ihre Heimat verlassen müssen. Allein die Hälfte der Bevölkerung Bangladeschs könnte davon betroffen sein. Unwetterkatastrophen wie etwa extreme Stürme oder Schlammlawinen infolge von Starkregen bedrohen das Leben von Millionen Menschen in sehr direkter Weise, aber auch indirekt durch die nachhaltige Zerstörung der Lebensgrundlagen insbesondere in den ärmsten Ländern.
Gefährdung von Ökosystemen
Weltweit ist etwa die Hälfte der Korallenriffe schon jetzt durch den Klimawandel geschädigt, mit schweren Folgen für den Fischbestand und damit die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen. 20-30% der landlebenden Tier- und Pflanzenarten könnten infolge des Klimawandels aussterben. Dies hätte insbesondere für Menschen in den Entwicklungsländern, die oft von den natürlichen Ressourcen vor Ort abhängen, katastrophale Auswirkungen.
Ausbreitung von Krankheiten
Malaria und ähnliche Krankheiten werden sich in Gegenden ausbreiten, die für ihre Überträger bislang als zu kalt galten. Bis zu 400 Millionen Menschen werden zusätzlich der Malaria ausgesetzt sein. Wassermangel und erhöhte Temperaturen werden die oftmals prekären hygienischen Verhältnisse weiter verschärfen und die Gesundheit der Menschen weiter belasten.
Dort, wo der Klimawandel auf besonders verwundbare Bevölkerungsgruppen trifft, sind die Folgen am schwerwiegendsten – und verstärken vor allem bereits existierende Probleme, mit denen die Entwicklungsländer seit je her zu kämpfen haben. Auch extreme Klimaschwankungen zählen dazu. Neu sind jedoch die zunehmende Häufigkeit und Intensität solcher Ereignisse und ihre Folgen. Die Anpassung daran, insbesondere die Verringerung der Verwundbarkeit der Menschen in den Entwicklungsländern, ist damit auch zur neuen grossen Herausforderung für die Entwicklungszusammenarbeit geworden.
Gerhard Bärtschi, TearFund Schweiz
Aus Informationsbrief Weltwirtschaft & Entwicklung, September 2008















