Liberalisierung des Welthandels
WTO-Gespräche erfolglos abgebrochen

Die WTO-Gespräche sind vor kurzem erfolglos abgebrochen worden. Für Ulrich Bachmann, Bereichsleiter der Internationalen Projektarbeit bei TearFund Schweiz ist dies kein Unglück.
Die Liberalisierung des Welthandels sei an einem kritischen Punkt angelangt; weitere Liberalisierungsschritte seien zunehmend schwieriger, meint der Entwicklungsexperte Ulrich Bachmann von der christlichen Entwicklungs- und Nothilfeorganisation TearFund Schweiz.
Ungelöstes Armutsproblem
Bei einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen hätten die Entwicklungsländer ihren Markteintritt mit Agrarprodukten in Nordamerika und Europa sehr teuer bezahlen müssen, indem sie verpflichtet wären, die Zölle für Industrieprodukte aus den Industrieländern drastisch zu senken. Auch wäre die inländische Nahrungsmittelproduktion noch stärker unter Druck geraten.
Vor allem die multinationalen Konzerne wären die Gewinner gewesen, meint Bachmann, währenddem die Entwicklungsländer und die Landwirtschaft auch in Europa und den USA unter Druck geraten wäre. Das jetzige Scheitern sei sicher auch Ausdruck einer Verunsicherung und die Einsicht, dass die Liberalisierung des Welthandels keine zentralen Probleme wie Armut, Ernährungskrise oder ungerechte Handelsbeziehungen hätte lösen können.
Gerechter wirtschaften
Wichtig für die Entwicklungshilfeorganisationen sei jetzt, dass sie die Gunst der Stunde nutzen könnten und Alternativen zum „kriselnden Neoliberalismus“ aufzeigen. Es gehe nicht darum, den Handel grundsätzlich zu verdammen, aber es sollten gerechtere Strukturen und Marktordnungen geschaffen werden. Die Entwicklungsländer sollten nicht unter den Druck geraten, ihre Märkte bei sensiblen Dienstleistungsbereichen und im Service public weiter öffnen zu müssen. Entscheidend ist auch, dass die Entwicklungsländer die inländische Nahrungsmittelproduktion besser schützen können. Ihnen sollte auch der Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten ermöglicht werden.
Aus christlicher Sicht möchte sich TearFund vor allem für mehr Gerechtigkeit im Umgang mit benachteiligten Menschen einsetzen. Dazu gelte es auch aufzuzeigen, dass der bisher gepflegte Neoliberalismus ein solches Gerechtigkeitsdenken ausser Acht lasse.
Thomas Hanimann















