
Die grössten Schäden gab es im Grossraum der Hauptstadt Port-au-Prince, in den Städten Leogane, Petit Goave und auch an der Südküste in der Hafenstadt Jacqmel. Das Wegräumen der Trümmer ist seit Langem im Gang. Doch obwohl sich rund um die Städte immer mehr Trümmerberge häufen, sind in den Zentren immer noch die meisten zerstörten Häuser und Gebäude nicht angetastet.
Unter ausgebleichten Zelttüchern sitzen einige Überlebende des verheerenden Erdbebens in Haiti und sprechen über ihren seelischen Schmerz. Grosseltern, Eltern, Kinder – alle haben ihre eigene, herzzerreissende Geschichte zu erzählen.
Wie kann es eine Mutter überwinden, die ihr Kind zwei Tage lang unter Trümmern nach ihr rufen hört und die es nicht rechtzeitig schafft, das Kind zu befreien? Wie kann es ein Kind überwinden, das in den Trümmern neben seiner toten Mutter gelegen hat und alleine gerettet wird? Der Schmerz begleitet die Menschen in Haiti immerzu. Die immensen Trümmerberge, die immer noch allgegenwärtig sind, weisen die ganze Zeit auf das Geschehene hin.
„Ein halbes Jahr nach der Katastrophe ist dieses nationale Trauma Haitis neue Normalität“, sagt Romnal Colas, Mitarbeiter der TearFund-Partnerorganisation World Relief in Port au Prince. „Viele Menschen haben Angst vor Beton.“
Unter den Überlebenden haben lokale Pastoren und Gemeindeleiter eine grossartige Arbeit geleistet. Viele von ihnen haben sich selber nur wenig Zeit gegeben, die eigenen Traumata zu bewältigen. Viele haben erlebt, wie Gott ihnen die Kraft für ihre Arbeit gibt, doch das Erlebte holt sie immer wieder ein.
Diese Leitungspersönlichkeiten haben nun die Möglichkeit erhalten, an einem Workshop selber Seelsorge von Traumaberatern in Anspruch zu nehmen. Die Gemeindeleiter sind nun in der Lage, darüber zu sprechen, was sie selber erlebt haben. Das ist eine wichtige Voraussetzung, damit sie selber den Menschen in ihrer Umgebung mit Seelsorge dienen können.
Als Mitglied eines internationalen Dachverbandes christlicher Hilfswerke (Integral) konnte TearFund bereits kurz nach dem Erdbeben vom 12. Januar mit der Partnerorganisation World Relief (WR) vor Ort aktiv werden. Da WR bereits vor der Katastrophe in Haiti aktiv war, konnte die Nothilfe rasch beginnen.
In einer ersten Phase ging es darum, Trinkwasser und Essen zur Verfügung zu stellen und medizinische Hilfe zu vermitteln. WR hat weiter Brunnen erstellt und mit Lastwagen Wasser in verschiedenen Camps verteilt. In Zusammenarbeit mit lokalen Kirchen und christlichen Hilfswerken wurden Tausende von Menschen mit Nahrung versorgt. Mitarbeiter von lokalen Kirchen werden im Aufbau von kommunalen Gesundheitsinitiativen geschult. Rechtzeitig vor dem Beginn der Regenperiode wurden Überlebenskits mit Plastikplanen verteilt, um vorübergehend Schutz zu gewähren. Auch der Traumabewältigung wird grosse Bedeutung beigemessen.
Für 70.- Franken kann ein sogenanntes Shelter-Kit (Schutzunterkunft) für eine Familie bereitgestellt werden.
Für 140.- Franken erhalten 5 Personen während einer Woche täglich zwei Mahlzeiten (Mittag- und Abendessen).
Herzlichen Dank für Ihre Gebete und Ihre Grosszügigkeit.
27. Juli 2010
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