Bildung statt Kinderarbeit: Ein Mädchen sitzt vor einer Hütte und lächelt in die Kamera.
Uganda

Bildung statt Kinderarbeit

Im Distrikt Busia im Südosten Ugandas wird in vielen kleinen Minen Gold abgebaut. Kinder und Jugendliche packen hier kräftig mit an, statt dass sie zur Schule gehen. Ihre Familien brauchen das Zusatzeinkommen. So ist der Distrikt trauriger Spitzenreiter bei den Schulabbrechern. Damit sich dies ändert, muss sich die Einkommens- und Lebenssituationen der Familien verbessern.

Erlebt: Evelyn geht wieder zur Schule

Die Zukunft sah düster aus für Evelyn. Das Mädchen aus dem Busia-Distrikt in Uganda hatte die Schule abgebrochen. Sie schuftete den ganzen Tag in den Goldminen für das tägliche Brot der Familie. Dank der Intervention und Unterstützung von CaRNaC geht Evelyn heute wieder zur Schule. Neben der Sensibilisierung wurde den Eltern diese Entscheidung erleichtert, indem die Schulgebühren übernommen werden. Daneben erhält die Familie Schulungen, wie sie die Erträge auf den Feldern steigern kann. Die vermittelte Methode «Farming God’s Way» (Landwirtschaft im Stil von Gott) baut auf ursprünglichen und ökologischen Grundsätzen auf. Es geht dabei unter anderem um Fruchtfolge, Bodenbedeckung und Verzicht auf Abbrennen.

Heute kann man Evelyn nach der Schule vor dem Haus sitzen und lesen sehen. Fragt man sie, ob sie hungrig zu Bett gehe, strahlen ihre Augen. «Nein!» sagt sie entschieden. «Einerseits erhalten wir in der Schule etwas zu essen, seit auch die Schulen Felder nach Farming God’s Way bewirtschaften. Andererseits reichen unsere Erträge daheim nun auch für zwei Mahlzeiten pro Tag.»

Evelyn ist glücklich und dankbar über die Veränderungen in ihrem Leben. Sie möchte Lehrerin werden, um anderen Mädchen Bildung und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Sie übt bereits heute dafür: Als Mitleiterin in der Sonntagsschule.

Projektinhalt

Das Projekt schützt Kinder vor Ausbeutung und fördert ihre Rechte. Sie sind durch die Arbeit in Goldminen, Strassenhandel oder Kinderprostitution in ihrer Gesundheit und Entwicklung gefährdet. Das Recht der Kinder auf Bildung, eine ausgewogene Ernährung und Sicherheit wird durch dieses Projekt verankert. Dazu arbeitet die Partnerorganisation aktiv mit den Distriktbehörden, den Eltern, mit Schulen, Kirche, Polizei und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Die gesammelten Erfahrungen und entwickelten Methoden sollen in einer nächsten Projektphase in anderen Bezirken repliziert werden.

Konkret umfasst das Projekt folgende Elemente:

  • Sensibilisierung von Eltern, Lehrpersonen und Behörden für die Rechte der Kinder
  • Wiedereinschulung von Kindern, die in den Minen arbeiteten
  • Schulungen der Eltern über alternative Einkommensquellen, z. B. „Farming God's Way“
  • Kurse für Kinder und Jugendliche, damit sie ihre Rechte kennen und einfordern lernen

Dieses Projekt läuft schon seit Januar 2014 und verzeichnete bisher erfreuliche Erfolge. Allein im Jahr 2015 konnten 83 Kinder in die Primarschule, 20 in die Sekundarschule und 10 in die Berufsbildung neu oder wieder integriert werden. 90 dieser Kinder und Jugendlichen sind in der Schule/Berufsbildung geblieben und nicht mehr in die Minen zurückgekehrt. Weiter wurden bisher gut 1‘500 Kinder im Bereich ihrer Rechte und Pflichten geschult und sensibilisiert. Gleichzeitig wurden auch die Lehrkräfte besser ausgebildet in Bezug auf Kinderrechte.

Partnerorganisation

Die Partnerorganisation Children at Risk National Collaboration of Christian Agencies Uganda (CaRNaC) ist ein nationales Netzwerk. Seine über 40 Mitgliedsorganisationen engagieren sich alle für stark gefährdete Kinder. CaRNaC bietet seinen Mitgliedsorganisationen pädagogische Aus- und Weiterbildung für die Mitarbeitenden, Interessenvertretung gegenüber staatlichen Stellen und Erfahrungen mit kontextspezifischen, innovativen Arbeitsansätzen. So stärkt CaRNaC die Kompetenz der Mitgliedsorganisationen. Diese können dadurch noch wirkungsvoller gefährdete Kinder in Uganda schützen.

Projektgebiet

Das Projektgebiet ist der Distrikt Busia mit einer Bevölkerung von 324‘000 Menschen. Busia ist einer der wichtigsten Getreideumschlagsplätze des Landes und liegt am „Ostafrikanischen Highway“ im Südosten von Uganda, an der Grenze zu Kenia. Im Distrikt wird auch seit hundert Jahren in kleineren Minen im Tagebau Gold ausgebeutet. Trotz den Bodenschätzen sind die meisten Familien in dieser Region sehr arm und sehen keine andere Lösung als ihre Kinder zum Geld verdienen in die Minen oder auf die Strasse zu schicken.

Projekt-Übersicht

LandUganda
GebietBusia-Distrikt

Schwerpunkte

Sensibilisierung für Kinderrechte, Wiedereinschulung von Kindern, alternative Einkommensquellen

 

Partner-
organisation

Children at Risk National Collaboration of Christian Agencies
Uganda (CaRNaC)

Entrechtet und vogelfrei

Interview über Kinderarbeit in Uganda mit Mirjam Nufer, TearFunds Projektverantwortliche für Uganda