Bildung für den Frieden: Eine grosse, lachende Kinderschar steht vor einem neu gebauten Schulhaus.
Südsudan

Bildung für den Frieden

Der Süden des Sudans – seit Juli 2011 ein eigenständiger Staat – ist seit Jahrzehnten von Konflikten geprägt. Aufgrund der Unsicherheit, Vertreibungen und grossen Armut besuchten in dieser Zeit nur wenige Kinder und Jugendliche eine Schule. Auch heute schliessen viele Kinder die Primarschule nicht ab. Das Bildungssystem muss aufgebaut und gefördert werden. Ebenso braucht es friedensfördernde Massnahmen.

Erlebt: Deborah geht zur Schule

«Ich bin meiner Familie sehr dankbar, dass ich die Sekundarschule besuchen kann», erzählt die 16-jährige Deborah. Sie besucht die 2. Sekundarklasse. «Jeden Tag fahre ich etwa drei Stunden mit dem Fahrrad zur Schule. Es ist die nächst gelegene Sekundarschule.» Ihr älterer Bruder arbeitet beim TearFund-Partner ACROSS und bezahlt ihr Schulgeld. Ohne seine Unterstützung wäre Deborahs Ausbildung kaum möglich. Denn ihre Eltern leben vom Feldbau als einziges Einkommen.

Auch ihre Nachbarn und die Dorfbevölkerung reagieren mehrheitlich positiv. «Sie sind stolz darauf, dass ich als eine der wenigen Frauen aus unserem Dorf die Sekundarschule absolviere. Von einigen aber, zum Teil auch gleichaltrigen jungen Frauen, höre ich immer wieder den Einwand, weshalb ich die Zeit mit Schule vertrödle, anstatt zu heiraten und Kinder zu kriegen – wie sie es tun.»

Von diesen Einwänden lässt sich Deborah nicht beeinflussen. «Nach meiner Ausbildung kann ich immer noch eine Familie gründen», betont sie. Die motivierte junge Frau möchte gerne einen Beruf im medizinischen Bereich erlernen oder gar Medizin studieren. Deborah träumt zudem davon, eine Schule in ihrem Dorf zu eröffnen. «Ich möchte dem Dorf etwas von dem zurückgeben, was ich erhalten habe.»

Projektinhalt

Die Arbeit der TearFund-Partnerorganisation ACROSS ist ein unverzichtbarer Beitrag für den Aufbau des noch jungen Staates. ACROSS arbeitet mit den lokalen Behörden zusammen und engagiert sich auch gegen Korruption und Misswirtschaft.

Ein Leitsatz von ACROSS lautet «Bildung für alle!». Damit sind speziell auch Vorschulkinder und Mädchen gemeint. Jedoch auch junge Erwachsene, die in den Kriegsjahren ihre Ausbildung verpasst haben. In Rumbek werden seit dem Start des Projektes vermehrt Mädchen eingeschult. In Boma können Jugendliche und ehemalige Kriegssoldaten den verpassten Schulstoff in verkürzter Zeit erlernen. Um eine gute Qualität des Unterrichts zu gewährleisten, führt ACROSS regelmässig Weiterbildungskurse für die Lehrkräfte durch.

Das Tragen von Waffen ist im Südsudan trauriger Alltag – und sie werden auch eingesetzt. Das muss sich ändern. Mithilfe von Friedenskomitees in den Dörfern sucht ACROSS neue Wege, um Konflikte gewaltfrei zu beenden. Mittels Diskussionsforen, Sportwettkämpfen und Sensibilisierungsprogrammen in der Schule lernen die Jugendlichen, wie kulturelle Konflikte entstehen und gelöst werden können. ACROSS führt regelmässig Friedensseminare für die Zivilbevölkerung und lokale Regierung durch. So können gemeinsam neue Lösungen für alte Konflikte gefunden werden.

Partnerorganisation

Die TearFund-Partnerorganisation ACROSS arbeitet bereits seit 1972 im Sudan bzw. seit 2011 im Südsudan. Sie verfügt über grossen Rückhalt in der Bevölkerung und bei der Regierung des Landes. ACROSS implementiert Projekte in den Sektoren Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft, Mikrofinanzierung, Medienarbeit und kommunale Entwicklung. Die Organisation hat viel Erfahrung in der Ausbildung von Lehrkräften und im Erstellen von Schulmaterialien sowie in der Friedensarbeit.

Projektgebiet

Unsere Projekte werden in der Provinz Rumbek East und in Boma County umgesetzt. Boma ist ein sehr abgelegenes Gebiet nahe der äthiopischen Grenze. Die Zufahrtswege sind nur während der Trockenzeit für 5 Monate im Jahr passierbar. Die Infrastruktur in der Region ist sehr bescheiden. In Rumbek East sind mangelnde Bildung und das schwache Gesundheitswesen weiterhin eine grosse Herausforderung. Nur jedes achte Schulkind besucht den Unterricht über die vierte Klasse hinaus. Mädchen erhalten oft kaum Bildung, da sie traditionell im Haushalt helfen müssen und früh verheiratet werden. Fast die Hälfte der Lehrpersonen hat keine Ausbildung.

Projekt-Übersicht

LandSüdsudan
GebietRumbek East und
Boma County

Schwer-
punkte

Lehrerweiterbildung, Aufbau von Eltern-
Lehrer-Komitees, Friedensförderung, Einschulung von Mädchen

Partner-
organisation
ACROSS

 

 

Kampf gegen den Hunger

Im Kampf gegen die herrschende Hungersnot erhielten rund 1400 Haushalte in der Region Boma Saatgut. Unsere lokalen Partner identifizierten die besonders bedürftigen Familien. Sie achteten auch darauf, dass die Familien in der Lage waren, die nötige Feldarbeit zu verrichten. Insgesamt konnten in Nawiyapuru, Itti und Kaiwa je 850kg Mais, Erdnüsse und Hirse verteilt werden. Dazu wurde Amaranth-Saat verteilt und diverse Gemüsesorten: Okra, Zwiebeln, Kohl, Kudura (Blattgemüse) und Auberginen.

Im Mai und Juni fiel der Regen wieder nur spärlich. Im Juli waren die Niederschläge vielversprechend und wir hoffen, dass das Saatgut den Menschen in Boma eine reiche Ernte beschert.