
Reiseberichte
Dürre in Nordkenia
Bericht von Ulrich Bachmann, Bereichsleiter internationale Projekte, von seinem Besuch in Nordkenia im März 2012
Isiolo liegt nordöstlich vom majestätisch aufragenden Mount Kenya. Gleichzeitig liegt Isiolo auch im sogenannten Regenschatten des Berges und wird deshalb häufig von Dürre und Trockenheit heimgesucht. Die Bevölkerung lebt zum grössten Teil von der Viehzucht und betreibt wenig Ackerbau. Die letztjährige Dürre hat die Region Isiolo hart getroffen und die Viehbestände arg in Mitleidenschaft gezogen. Zusätzlich sind leider in der Region zwischen den Bevölkerungsgruppen Konflikte entfacht, die einige Tausend Menschen zu intern vertriebenen Menschen machte. Die Lebensbedingungen dieser Menschen sind extrem schwierig. Viel Unterstützung erhalten die vertriebenen Menschen nicht, da viele Organisationen Angst davor haben als parteiisch wahrgenommen zu werden und in den Konflikt involviert würden. Als Ursache werden die knappen Ressourcen und regionalpolitische Gründe angegeben. Von offizieller Seite wird wenig unternommen, den Konflikt zu bewältigen. Einige Politiker versuchen, aus dem Konflikt Kapital zu schlagen.
Mehr als Überlebenshilfe
Rebbecca Nakode (Bild) lebt mit acht Kindern in einem Haushalt. Sie wurde von der Dorfbevölkerung als Begünstigte für die Fleischverteilung ausgewählt. Über zwei Monate hinweg erhält sie einen Gutschein um pro Woche 3 kg Fleisch zu beziehen. Die Fleischverteilung wurde lokal organisiert. Die Tiere werden lokal durch eine dafür verantwortliche Gruppe aufgekauft. Die Bevölkerung wird somit nicht nur mit Fleisch unterstützt sondern auch mit Geld, das zusätzlich denen, die Tiere verkaufen, zur Verfügung steht. Die Bevölkerung schätzt diese Art Hilfe und sagt, dass sie zum ersten Mal Nahrungsmittelhilfe erhalten habe, die ihren Bedürfnissen entspricht. Rebbecca hat leider keine eigenen Tiere, die sie verkaufen könnte und profitiert deshalb nur von der Fleischverteilung. Die Ration reiche ihr für drei bis 4 Tage. Natürlich würden immer auch ihre Nachbarn von der Fleischverteilung profitieren. Sie können nämlich nicht alles Fleisch für die eigene Familie verwenden und ihre Nachbarn leer ausgehen lassen. Rebbecca und viele andere Begünstigte hoffen, dass die Hilfe noch andauert, bis die Regenzeit richtig eingesetzt hat und genügend Futter nachgewachsen ist, die Tiere bereits ihre Jungen gekriegt haben und die Milchproduktion eingesetzt hat.
Die Menschen blicken der Regenzeit besorgt entgegen. Die letzte Regenzeit hat abrupt geendet bevor überhaupt die Feldfrüchte ausreifen konnten. Die Erträge waren deshalb äusserst klein. In diesem Jahr scheint der Regen auch wieder verzögert zu sein. Das Wissen, dass die Unterstützung nicht ebenso abrupt enden wird wie der Regen, und dass sie über mehr Mittel verfügen als noch vor kurzer Zeit, stimmt viele Menschen optimistisch.
Die Bevölkerung ist immer noch sehr verwundbar, doch eine gesunde Herde, auch wenn sie etwas kleiner ist, stellt für die Faimlien ein wichtiges Kapital dar. Um ihre Ernährungssituation und Existenzgrundlage weiter zu stabilisieren, muss die Hilfe unbedingt fortgeführt werden.
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