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Bangladesch

Reisebericht von Susanne Ryser

Unser Propellerflugzeug landet sanft auf dem Flughafen von Jessore. Nach einer langen Reise aus der Schweiz betreten mein Mann und ich  zum erstenmal den Boden von Bangladesch. Ich bin richtig aufgeregt. Während vielen Jahren erzähle ich in meinen Berichten an Projektpaten von den Menschen in diesem Land und nun atme ich zum ersten Mal selber die Luft dieses Landes ein!


Am kleinen Flughafen warten einige Einheimische. Schon von weitem sehen wir die beiden Männer mit dem Schild CSS, „Christian Service Society“ . Sie begrüssen uns strahlend. Der jüngere von ihnen arbeitet im Büro von CSS und beteuert mir, mich durch meinen Mailverkehr mit seinem Büro schon sehr gut zu kennen. Der andere Mann führt uns zum Auto und nimmt auf dem Fahrersitz Platz. Imtiatz wird während der ganzen Woche unserer Fahrer sein, der uns sicher durch die überfüllten Strassen führt. Mein Mann und ich werden mit jeden Minute dieser ersten Fahrt stiller. Eine solche Armut hätten wir nun doch nicht erwartet. Links und rechts der Strasse erblicken wir armselige kleine Hütten, in denen spärlich Waren verkauft werden. Ab und zu entdecken wir dahinter niedrige, mit Schilf gedeckte Wohnhäuser. Die Strassen sind verstopft mit Rikschas, alten Fahrrädern – oft mit Anhängern, einzelnen Motorrädern und einigen wenigen Autos, die sich nebeneinander durchschlängeln. Und überall wimmelt es von Menschen. Nebst Frauen in schönen, farbigen Kleidern sind auch ganz ärmlich gekleidete Menschen zu erkennen, die auf der Überlandstrasse zu Fuss unterwegs sind. Was werden wir hier alles erleben?

Besuch im Mädchenheim Batiagata

Besuch im Mädchenheim Batiagata

Mädchengruppe posiert in farbenfroher Kleidung

Die Mädchen, die wir am nächsten Tag im Kinderheim von Batiagata besuchen, haben sich schön herausgeputzt. Zusammen mit ihnen setzen wir uns in den Aufenthaltsraum. Sie führen uns durch ein abwechslungsreiches Programm, welches sie selber einstudiert haben. Wir staunen, mit welcher Anmut die Mädchen Tänze aufführen und wie freudig sie Lieder singen. Kaum ist der offizielle Teil zu Ende, scharen sich die Mädchen um mich. Gross ist bei mir die Freude, unter den Kindern viele zu erkennen, über deren  Leben ich geschrieben hatte. Wir machen uns ein Spiel daraus, dass ein Mädchen seinen Vornamen nennt und ich ihn durch seinen Nachnamen ergänze. „Und hier sind die Berichte, die ich über euch auf Deutsch geschrieben habe,“ erkläre ich. Blitzschnell beugen sich viele Köpfe über die Blätter und die Mädchen suchen aufgeregt bekannte Gesichter auf den Fotos. 

 

Einkommen dank Schulung

Einkommen dank Schulung

Shahida mit ihrer Familie, im Hintergrund ist der Hühnerstall zu sehen.

Am nächsten Tag fahren wir in ein abgelegenes, kleines Dorf mit einfachen Holzhütten. Unter einem grünen Blätterdach empfängt uns Shahida B. vor ihrer Hühnerzucht. Shahida besuchte letzten Herbst eine von CSS organisierte Schulung für Hühnerzucht. Nachdem sie mit ihrem Mann und den beiden Töchtern geredet hatte, beantragte sie einen Mikrokredit für ca. 220 Franken. Damit kaufte sie sich Hühner und richtete in ihrem Dorf einen Hühnerstall ein. Nach einem Monat gelang es ihr, alle Hühner gewinnbringend zu verkaufen. „Hast du die Tiere auf dem Markt verkauft?“ frage ich die junge Frau. „Nein!“ lacht sie zurück und deutet auf einen Mann, der in der grossen Runde der Zuschauer steht. „Schau, das ist ein Nachbar von mir. Ich habe ihn mit meinem Handy angerufen und ihn gebeten, die Tiere für mich zu verkaufen.“ Handy?! Mein Mann und ich sehen uns staunend an. In einer dermassen einfachen Umgebung hätten wir den Einsatz von Handys nicht erwartet. „Schwester, bitte bete für mich!“ fährt Shahida fort. „Selber war mir der Schulbesuch nur bis in die fünfte Klasse möglich und mein Mann verdient als Rikscha-Fahrer sehr wenig. Ich möchte mit meiner Hühnerzucht meinen Kindern ermöglichen, ihre Ausbildung bis Ende Schulzeit fortsetzen zu können. Die Hühner, die du im Stall siehst, werde ich in den nächsten Tagen verkaufen können und danach wieder neue Zuchthühner beschaffen.“ Shahida macht auf mich einen aufgeweckten, engagierten Eindruck. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie mit Unterstützung des Mikrokredites ihre Ziele erreichen kann.
Erwartungsvoll blicken wir auf die nächsten Tage, wo wir weitere von TearFund unterstützte Projekte besuchen werden.

 

Reich beschenkt

Seit meinem letzten Bericht haben wir mehrere Inlandflüge und eine achtstündige Busfahrt unternommen. Im Norden des Landes wohnten wir im Kinderheim Home of Peace innmitten der Kinder, erlebten ihren Alltag. Ausserdem besuchten wir 12 Familien in ihren Häusern und sprachen mit den Eltern. In mehreren Schulklassen nahmen wir am Unterricht teil.

Auf unserer Reise haben wir viele reizende, hilfsbereite, fröhliche Menschen kennen gelernt und werden reich beschenkt die Heimreise antreten. Reich beschenkt durch die Liebe dieser uns fremden Menschen, aber auch reich beschenkt mit so vielen Geschenken, dass der Platz in dem Koffer nicht ausreicht, um alles mit heimzunehmen. Die Tage in Bangladesch werden für uns unvergesslich bleiben.

Susanne Ryser ist Mitarbeiterin

bei TearFund im Bereich Spenderbetreuung. Sie reiste vom

28. Januar bis zum 19. Februar 2012 durch Bangladesch und besuchte dabei verschiedene Projekte von TearFund.

 

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