
Ferien, die verändern
Sudanreise 2007
Gottesdienst und Unterricht unter den Bäumen
Am Sonntag besuchten wir einen Gottesdienst fünf Gehminuten von unserem Camp entfernt. Über 200 Erwachsene und Kinder besammelten sich im Schatten einiger Bäume. Alle sassen auf Baumstämmen - die Frauen auf der einen, die Männer auf der andern Seite - und sangen bereits Lieder, als wir ankamen.
Zwei Kinder und ein Einheimischer begleiteten die vielen Lieder mit grossen und kleinen Trommeln. Die afrikanischen Gesänge waren so andersartig, so typisch afrikanisch und liessen uns nicht unberührt. Wir trugen zum Gottesdienst bei mit Liedern aus der Schweiz, einem Lebensbericht und einer Geschichte. Obschon der Gottesdienst drei Stunden dauerte, wurde uns nicht langweilig. Wir genossen die Stimmung, beobachteten die singenden Kinder, hörten ihnen aufmerksam zu und versuchten zu verstehen, was gesagt und getan wurde.
Am kommenden Sonntag besuchen wir diese sympathische "FREIkirche" wieder.
Mit diesem Gottesdienst werden wir unseren Kurzeinsatz abrunden, bevor wir am nächsten Tag vom Südsudan Abschied nehmen.
Ganz in der Nähe befindet sich die Dorfschule, der wir während der Woche Besuche abstatten. Die Schüler werden in fünf Klassen unter den Bäumen unterrichtet. Die Kinder sitzen eng gedrängt auf Stämmen und Ästen. Wir setzen uns beim ersten Besuch in die hinterste Reihe und verfolgen den Unterricht. Der Lehrer erteilt den fast 100 Schülern Englischunterricht. Die Kinder wiederholen im Chor: „What is your name? My name is Makuer.“ Gleich neben den offenen "Klassenzimmern" stellt die Bevölkerung Ziegel für den Bau eines Schulgebäudes her.
Christa und Ferdi Bauer
Unterricht im Lehrerkurs
Zur speziellen Herausforderung für uns fünf Lehrkräfte aus der Reisegruppe wurde das Unterrichten der 36 sudanesischen Lehrkräfte (darunter zwei Frauen) im Fach Science
(Naturwissenschaften) und bei organisierten Diskussionsrunden im Fach Lebenskunde. Wie würden sie auf unseren Stil und unser Englisch reagieren? Durch ihr zuvorkommendes und freundliches Wesen zerstreuten dann aber die zum Teil sehr jungen Lehrerinnen und Lehrer unsere Bedenken. Die meisten waren sehr aufmerksam und reagierten auch auf einfache Inhalte sehr spontan und machten voll mit.
Schallendes Gelächter füllte dabei einige Male den Raum! Obschon uns nur einfachste Mittel zur Verfügung standen, quittierten sie unsere ersten Lektionen mit spontanem Applaus!
Das bescheidene Wissen und die überall fehlende Einrichtung zeigten aber klar, dass das Schulwesen im Südsudan nach 22 Jahren Krieg erst am Anfang steht.
Immer wieder wurden und werden wir während des Unterrichtes in spannende Gespräche und Diskussionen verwickelt.
Stefan Dänzer
Mittagessen bei einer Familie
Einen tieferen Einblick in die Kultur der Dinkas erhielten wir, als wir jeweils zu dritt bei einer Familie zum Mittagessen eingeladen wurden. Vor dem Rundhaus assen wir als Gäste alleine das aus Kürbisblättern, Spinat, Fisch und Keftah zubereitete Essen mit den Händen. Unsere grosszügige Gastgeberin ist Witfrau und hat drei Kinder. Der Bruder des verstorbenen Ehemannes hat die Frau "geerbt". Da ihr Mann eine zweite Frau hatte und noch einige Kühe schuldig war, als er starb, musste die Frau für die Schulden aufkommen. Sie gab ihre letzten beiden Ochsen weg und muss ihre Felder nun von Hand bearbeiten. Ein Rundgang über ihre Felder veranschaulichte uns die viele Arbeit die getan werden muss. Wir nehmen Anteil an den Sorgen und dem harten Leben der Witfrau. Durch eigene Erfahrungsberichte und Gebet dürfen wir Ermutigung weitergeben.
Elsbeth und Bruno Pratti
Besuch im Cattle Camp
Wir wollen das Cattle Camp (Viehlager, die UBS der Dinkas) besuchen und machen uns in der kühlen Morgenluft zu Fuss auf den Weg. Ein schmaler Pfad führt uns durch die zurzeit lieblich grüne Landschaft. Links und rechts tauchen immer wieder "Villages" auf. Das sind die Höfe der Dinkas, die oft aus drei kleinen Rundhütten bestehen. Die Bewohner winken, grüssen freundlich lachend und schütteln unsere Hände. Tschibak!

Schon von Weitem erkennt man das Cattle Camp am Rauch, der über der Landschaft hängt. Im Camp wird deutlich sichtbar, dass sich bei den Dinkas wirklich alles um das Vieh dreht. Bullen und Kühe lagern an Pflöcken festgebunden im Kreis um ein kegelförmiges, mottendes Dungfeuer. Viele dieser Kreise bilden wiederum ein "Gol", also den Lagerplatz einer Familie. Durch den dichten Rauch der vielen Feuer hat es erstaunlicherweise nur wenig Fliegen.
Wir sind beeindruckt von der Menge des Viehs, der Organisation und den mächtigen Hörnern der Bullen. Viele Hörner sind (willkürlich) asymmetrisch gebogen und erhöhen so den Wert des Tieres. Nach dem Antrittsbesuch beim Chef des Camps werden wir herumgeführt. Dinka Hirten singen uns ihre selbst erfundenen Lieder vor, die von der Schönheit ihrer Tiere und dem Leben im Camp handeln.
Es ist Sitte, dass Kinder, Frauen und Männer ihren Kopf unter den Strahl einer urinierenden Kuh halten, um den kurz geschnittenen Haaren eine rötliche Färbung zu geben. Viele Männer reiben zusätzlich ihre Gesichter und ihren Körper mit Asche ein. Um 11 Uhr werden die Tiere losgebunden und gruppenweise von einer Leitkuh zum Grasen geführt. Die Tiere des Camps werden in drei verschiedene Richtungen getrieben, die jeweils vom Campchef bestimmt werden. Die ganze Szenerie wirkt für uns wie ein lebendiges Stück Geschichte aus dem alten Testament. Mit vielen neuen Eindrücken und gemischten Gefühlen gehen wir in der sengenden Mittagshitze zurück nach Adol, wo Reis und Bohnen (wie jeden Mittag) auf uns warten.
Karlo Krattiger
Erste Eindrücke aus dem Sudan
Nach einer pannenfreien Reise und einem Willkommensessen konnte jede und jeder von uns in Begleitung von jeweils drei Einheimischen die Umgebung auskundschaften. Wir waren überwältigt von der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Dinka-Bevölkerung, die uns auf den Pfaden, vor ihren runden Lehmhütten und an Wasserstellen begegnete. Immer wieder hiessen sie uns willkommen, strahlten uns an, lachten, winkten und berührten uns. Schon bei diesen ersten Begegnungen spürten wir einen enormen Durst nach Bildung. Wir erfuhren, dass von den knapp 3000 Schulen im Südsudan nur 200 ein Gebäude mit Schulzimmern haben. An den übrigen Orten findet der Unterricht unter Bäumen statt. TearFund unterstützt den Aufbau von 31 Schulen in dieser Gegend und die Weiterbildung von über 200 Lehrpersonen.
Auf dem Gelände von Across, dem TearFund-Partner, findet während unseres Aufenthaltes ein Kurs für 37 Lehrpersonen statt. Zwei Frauen aus unserer Reisegruppe gestalteten den Unterricht mit. Thema war der menschliche Körper. Es gab viel zu lachen und der Unterricht hat allen gefallen.

Eine andere Gruppe engagierte sich im Nachbardorf beim Bau einer einfachen Dorfschule. Die vier weissen Bauarbeiter waren bald die Attraktion für die Dorfkinder. Doch nach einer Weile begannen die Kinder, mit anzupacken. Es war ein besonderes Erlebnis: Sie halfen heute mit, ihre eigene Schule zu bauen.
Zwei Männer aus der Gruppe reparierten einen Generator und verlegten Kabel. Eines ist sicher: Es gibt viel zu tun und die Zeit wird nicht ausreichen, alles umzusetzen, was wir auf dem Herzen haben. Wir fühlen uns unter diesem liebevollen Volk der Dinka sehr wohl. Da stört es auch nicht besonders, dass unsere Zimmer noch nicht fertig gebaut sind und die Latrine voller Ameisen ist. Zum Glück sind wir alle flexibel. Die Begegnungen mit dieser so andern Welt beschäftigen uns aber und wir diskutieren viel. Diese Ferien bewirken Veränderung!
Christa Bauer


















